Nix zu verstecken – CachyOS

Mein neues (altes) Notebook braucht ein Linux. In letzter zeit habe ich immer mal wieder was von CachyOS gehört, dem werde ich mal ein wenig Aufmerksamkeit schenken.

Hintergrund

Nach vier Jahren Manjaro auf meinem Notebook/Tablet gehen mir langsam ein paar Kleinigkeiten auf den Keks, die hart am System zu liegen scheinen. Zum einen bekomme ich es Manjaro unter Gnome nicht abgewöhnt, das VPN zu meiner Fritz-Box beim Start automatisch aufzubauen, zudem zickt Syncthing immer mal wieder rum, bevorzugt nach größeren System-Updates. Daneben rumpelt es in der Manjaro-Community im Moment ein bisschen (Manjaro Linux: Community ringt um mehr Mitbestimmung auf heise.de).

Genau wie Manjaro ist CachyOS ein Arch-Derivat. Es ist auch wieder eine Rolling-Release-Distribution und nutzt pacman für die Paketverwaltung. Mit Manjaros pamac bin ich nicht so richtig warm geworden. Im Großen und Ganzen ist das für mich wieder so ein nettes Mittelding zwischen Arch, aber mit überschaubarem Installations- und Wartungsaufwand.

Auch Cachy soll mir nicht als Ersatz für Ubuntu dienen, aber gerade beim Zweitgerät (sprich: Notebook) kann ich mir ein paar Experimente erlauben.

Installation

Die Installation von CachyOS geht ziemlich leicht von der Hand. Auf der Download-Seite wählt man eine Variante für den Download des Installations-Images aus (Download von cachyos.org oder Sourceforge, Torrent Download), spielt es z.B. mittels Etcher auf einen USB-Stick und startet davon in die Live-Umgebung. Nach etwas Ausprobieren kann man dann mittels einer grafischen Oberfläche die notwendigen Schritte der Installation vornehmen. Im Unterschied zu Manjaro entscheidet mal sich erst bei Installation für eine Desktop-Umgebung, im Installations-Abbild ist letztlich nur KDE Plasma dabei, von dem aus die Installation gestartet wird. Diese lädt dann alles Notwendige herunter, also sollte eine halbwegs ordentliche Internetverbindung zur Verfügung stehen.

Je nach System – auch hier habe ich mir wieder den Gnome Desktop installiert – benötigt das Partitionieren, die Wahl der Desktop-Umgebung und des Bootmanagers sowie die darauf folgende eigentliche Installation etwa eine halbe Stunde und lädt etwa 6GB an Daten herunter. Dann kann neu gestartet werden und der Spaß fängt an.

Erste Einstellungen

Nach der Installation hat das Meiste schon gut funktioniert.

  • Die WLAN-Einstellungen wurden von der Live-Umgebung übernommen
  • Firefox war bereits vorhanden und ließ sich mit Firefox Sync verbinden
  • Das Scaling war bei meinem Display (1920x1080 bei 13,3 Zoll) bereits auf 125% gesetzt, das ist adäquat
  • Die Bluetooth-Maus (Logitech MX Anywhere 2S) wurde sofort gefunden
  • Der Touchscreen funktioniert ohne weitere Probleme
  • Die Kamera wurde erkannt und funktioniert wunderbar, das war beim Manjaro mit dem HP Elite X2 immer mal wieder ein Problem.

Anmerkung zu den Kommandos:

  • Ist einer Kommandozeile ein # vorangestellt, so muss der Befehl in als root, ggfs. mittels sudo, ausgeführt werden
  • Ist einer Kommandozeile ein $ vorangestellt, so kann das Kommando im Benutzerkontext laufen

Minimieren/Maximieren-Buttons fehlen in den Fenstern

Die erste Verwunderung kam mit den Fenstern, denen fehlten die Knöpfe zum Minimieren und Maximieren. Die Abhilfe ist recht einfach. Dazu benötigt man die Optimierungen oder Gnome-Tweaks, die müssen erst einmal installiert werden:

# pacman -S gnome-tweaks

Nach der Installation öffnet man die Optimierungen und unter Fenster >> Knöpfe der Titelleiste kann man Maximieren und/oder Minimieren aktivieren und fortan findet man die Knöpfe wieder in den Titelleisten der Fenster.

Gnome Shell Erweiterungen installieren

Unter Manjaro und Ubuntu habe ich mich daran gewöhnt, Erweiterungen für die Gnome Shell direkt von der Gnome Extensions Webseite zu installieren. Das geht auch in CachyOS, dafür muss nur das entsprechende Paket installiert werden:

# pacman -S gnome-browser-connector

Danach war einmal ab- und wieder anmelden notwendig, damit der On/Off-Schalter im Firefox auch was bewirkt hat.

Applications Menu

Ich schätze die Gnome das alte Gnome Anwendungs-Menü, das sich mit der Erweiterung Apps Menu nachinstallieren lässt. Wie schon bei Manjaro zickt die Erweiterung erstmal rum und benötigt auch hier die GMenu-3.0.typelib, die mit gnome-menus installiert werden kann:

# pacman -S gnome-menus

Auch das wird erst nach einmal ab- und wieder anmelden wirksam.

Dash to Dock

Auch hier hat mich Ubuntu verdorben – ich schätze die Dock-Leiste auf der linken Bildschirmseite. Das bekomme ich hier mittels der Gnome Erweiterung Dash to Dock hin. Der muss ich noch sagen, dass ich das Dock gerne links dauerhaft über die volle Höhe hätte (Panel-Modus).

AppIndicators

Ich schätze den Überblick über verschiedene Dienste mittels der kleinen Icons in der Statusleiste von Gnome. Der dafür notwendige AppIndicator Support ist unter CachyOS nicht von Haus aus installiert. Die Erweiterung AppIndicator and KStatusNotifierItem Support löst das Problem.

Software

So, das Verhalten der Kiste entspricht jetzt dem, was ich erwarte. Nun geht es an die Software, zumindest die wichtigsten Teile sollten direkt installiert werden.

Guake

Mal schnell ein paar Kommandos loswerden, ohne erst ein Terminal starten zu müssen? Klar, das geht mit Guake. Die Installation ist einfach gemacht:

# pacman -S guake

Damit Guake künftig beim System start mit hochkommt, muss man es einmal starten und in den Guake-Einstellungen im Reiter Allgemein die Option Guake beim Anmelden starten aktivieren.

Leider hat die gewählte Tastenkombination (bei mir einfach F7) nicht funktioniert. Das lässt sich in den Gnome-Einstellungen unter Tastatur >> Tastenkombinationen anzeigen und anpassen ändern. Im Dialog Tastenkombinationen geht man in die Einstellung Eigene Tastenkombinationen. Dort kann man mit Hinzufügen oder dem + Symbol den Dialog Individuelle Tastenkombination hinzufügen öffnen:

  • Name: Guake
  • Befehl: guake -t
  • Tastenkombination: je nach eigenem Wunsch

Wichtig ist nur der Befehl und natürlich die Tastenkombination. Letztere muss identisch sein mit der, die man in den Guake-Einstellungen gesetzt hat, sonst treten komische Effekte auf.

Syncthing

Bilder, Musik und mein KeePass-File werden mittels Syncthing zwischen meinen Geräten und dem NAS synchronisiert. Ohne Syncthing geht es also nicht. Die Installation ist ein Einzeiler:

# pacman -S syncthing

Unter Manjaro hatte ich noch die Gnome-Erweiterung Syncthing Icon in Verwendung. Die wird aber seit 2022 nicht mehr weiter entwickelt, sodass ich mich mittlerweile zu Syncthing Indicator gewechselt bin. Auch hier lässt sich der Autostart des Syncthing-Dienstes abschalten, außerdem ist diese Erweiterung sehr gut gepflegt.

Nextcloud Client

Nach Syncthing nutze ich noch eine eigene Instanz von Nextcloud und möchte natürlich auch auf meinem Mobilgerät die entsprechenden Nextcloud-Ordner nutzen. Tatsächlich findet sich der Nextcloud Desktop Client in den Paketquellen und kann wie folgt installiert werden:

# pacman -S nextcloud-client

Um den Client mit einer Nextcloud-Instanz zu verheiraten, wird der Browser verwendet. Aus irgendeinem Grund ging es am besten, wenn ich im Browser (hier: Firefox) bereits auf der Instanz angemeldet bin, dann muss ich die Anfrage für die Authentisierung der neuen Anwendung einfach nur noch abnicken.

Bitwarden

Ich nutze mittlerweile Bitwarden mit meiner eigenen Vaultwarden-Instanz. In den Paketquellen findet sich Bitwarden sogar, auf all meinen anderen Systemen setze ich jedoch auf die Flatpak-Version (hier auf Flathub), weshalb ich mich dann auch hier dafür entschieden habe. Im Gegensatz zu Manjaro muss man Flatpak bei CachyOS nicht erst installieren, es ist schon mit an Bord. Dadurch holt man sich Bitwarden mittels:

$ flatpak install bitwarden

Logseq

Ein weiteres Tool, das ich regelmäßig nutze, ist Logseq. Auch das hole ich mir mittels Flatpak, da es nicht in den Paketquellen zu finden ist.

$ flatpak install logseq

Das Logseq-Verzeichnis wird per Syncthing an jedes Gerät verteilt, das mir gehört und nicht bei drei unterm Schrank verschwunden ist, also ist die weitere Einrichtung kein Problem. Ein paar Erweiterungen brauche ich noch, aber die Liste ist kurz:

Thunderbird

Mein liebster E-Mail-Client ist natürlich in den Paketquellen und wird per Pacman auf das System geholt:

# pacman -S thunderbird

Da ich immer noch stinkfaul bin, habe ich vor dem ersten Start von Thunderbird einfach das .thunderbird-Verzeichnis von meinem alten Elite x2 in ein .zip gepackt, per Syncthing auf das x360 geholt, dort in mein Home-Verzeichnis entpackt und dann Thunderbird gestartet. Alles war da, ich musste nur noch die Kennwörter für die E-Mail-Server eingeben. Und das war kein Problem, dank Bit-/Vaultvarden.

Mullvad VPN

Manchmal möchte ich mit einer anderen IP als meiner aktuellen im Internet auftauchen oder hätte meinen Traffic gerne vor dem Betreiber eines lokalen WLANs verschlüsselt. In diesen Fällen greife ich gerne auf Mullvad VPN zurück. Das findet sich in den Paketquellen und ist schnell installiert:

# pacman -S mullvad-vpn

Blöderweise zickt der Client rum mit einer Meldung:

Es ist nicht möglichen, den Mullvad-Systemdienst zu kontaktieren, Ihre Verbindung ist möglicherweise unsicher....

Kurze Rede, wenig Sinn: Der mullvad-daemon Dienst ist nicht gestartet. Das kann man entweder bei Bedarf erledigen mit:

# systemctl start mullvad-daemon.service

Oder man wählt die Variante, die den Dienst bei jedem Start automatisch hochfährt:

# systemctl enable mullvad-daemon.service

Aus praktischen Überlegungen habe ich mich für die "Bei Bedarf"-Variante entschieden.

Weitere Werkzeuge

Ein paar weitere Werkzeuge, die nicht von Haus aus dabei sind und die ich entweder aus sentimentalen Gründen nutze (gparted, ifconfig) oder die ich ständig brauche (LibreOffice, htop) habe ich hier mal aufgelistet:

  • gparted: grafisches Partitionierungstool für Gnome
  • haveged: Eine Erweiterung für Linux' /dev/random, um den Entropie-Pool schneller aufzufüllen, als das /dev/random alleine tut.
  • htop: System- und Prozess-Überwachungstool für die Kommandozeile; quasi top auf Steroiden
  • iotop: I/O-Überwachung für die Kommandozeile
  • libreoffice-still: Die Bürosoftware meiner Wahl, zum Briefe schreiben und mit Tabellenkalkulation
  • lollypop: Ein relativ einfacher Musik-Player unter Gnome
  • net-tools: Sorry, ich kann ohne ifconfig nicht leben...
  • powertop: Energiebedarf des Notebooks optimieren
  • wireguard-tools: Brauche ich für das VPN mit der Fritz!Box

All diese Tools kommen auch mit Pacman auf das System:

# sudo pacman -S gparted haveged htop iotop libreoffice-still lollypop net-tools powertop wireguard-tools

Fazit

Die Installation und Inbetriebnahme meines CachyOS war ziemlich schnell erledigt. Insgesamt stand nach weniger als einer Stunde ein recht brauchbares System zur Verfügung und nach weniger als drei Stunden war ein Zustand erreicht, der nahe an der Perfektion liegt. Manjaro hatte etwas länger gedauert, aber da war Wayland noch neu und ich war als Desktop quasi nur noch Ubuntu gewöhnt, das hat sich in den letzten Jahren etwas geändert.

Bis jetzt macht CachyOS für mich einen soliden Eindruck. Da mein aktuelles Mobilgerät mehr Power hat als das x2, das vor drei Jahren schon alt war, möchte ich dieses Gerät für etwas mehr als E-Mail und Surfen nutzen. Wie das klappt, muss sich noch zeigen.

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